Programme

Übersetzer der Sehnsüchte

 

Das Konzertprogramm "Übersetzer der Sehnsüchte" vereint auf künstlerische Weise die drei monotheistischen Religionen. Wir bringen sefardische Lieder zum Klingen, die mit ihrer unmittelbaren und seelenvollen Ausdruckskraft von Lebensfreude und Melancholie faszinieren. Melodien aus der Sammlung Cantigas de Santa Maria erzählen wundersame Geschichten rund um die Jungfrau Maria. Teile der berühmten Messe de Notre Dame von Guillaume de Machaut laden zum Innehalten ein. Ergänzt wird das Programm durch kurze sufistische Gedichte der Mystiker Ibn al-'Arabī und Rūmī.

Wir entführen das Publikum in eine Zeit, in der die drei Religionen gemeinsam in Europa lebten, sich tolerierten, respektierten und gegenseitig kulturell bereicherten. Mit unserer Musik wollen wir die menschliche Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander formulieren.

 

 

 

Besetzung: Sopran, Blockflöte/Perkussion, Violine/Viola, Harfe, optional Perkussion

 

Hörbeispiel Cantigas de Santa Maria

Hörbeispiel La Rosa enflorese

Video Durme, Durme

Video Cuando veo hixa hermosa


Und kommst du liebe Sonn nicht bald

Konzert zu 500 Jahre Bauernkrieg

Wie gehe ich mit der Erfahrung von Ohnmacht um?

Die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, die vielschichtigen Ursachen, die einzelnen Kampfhandlungen, die Zahlen der Toten - all das können wir kognitiv begreifen. Wir können Kleidung, Waffen und Alltagsgegenstände aus der Zeit sehen. Riechen, schmecken oder tasten können wir keine Zeugnisse mehr. Aber hören! Durch die Klänge der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts und die Stimmen hinter den Texten, begegnet uns dieser Krieg in unserem persönlichen Leben im Hier und Jetzt. 

 

 

 

Krieg ist Krieg, immer und immer wieder. Doch wir lassen nicht nur die Stimmen aus dem 16. Jahrhundert sprechen. Neben Originaltexten finden sich auch modernere Texte, die sich auf ihre Weise mit Macht und Ohnmacht auseinandersetzen. Berichte iranischer Frauen, stehen im Kontrast zur berühmten Rede an die Menschheit von Charlie Chaplin. Die DDR-Autorin Gisela Steineckert und die Auschwitz-Überlebende Eva Kor suchen gemeinsam nach friedlichen Lösungen. Aphorismen wirbeln das Publikum durch Zeiten und Perspektiven. Es erlebt eine Reise durch die Geschichte, die zum Nachdenken anregt und die Augen öffnet.

 

 

 

Der Bauernkrieg ist lange her und vielerorts in Vergessenheit geraten. Er war das Ausbrechen eines Schwelbrandes, ein Lauffeuer. Kunst hat die Macht und die Pflicht, uns an solche Ereignisse zu erinnern, sie zu verarbeiten und uns zur Wachsamkeit zu mahnen. Genau das leistet dieses Projekt.

 

 

Besetzung: Sopran, Tenor, Blockflöte, Rebec/historische Violinen, Renaissanceposaune, Harfe, Perkussion, Sprecherin

 

Video Danz

Video Ich bin ein freier Bauernknecht

 


Liebe überflutet das All...

Scivias II.2: The Trinity. Fol. 47r, Rupertsberg MS (facs.)
Scivias II.2: The Trinity. Fol. 47r, Rupertsberg MS (facs.)

Musik, die 800 Jahre alt ist. Wie klingt sie? Wie will sie gespielt werden? Wovon handeln die Texte?  
Mögliche und unsere ganz persönlichen Antworten haben wir in diesem Programm gefunden.
Wir möchten das Publikum einladen, sich mit uns auf eine Pilgerreise durch das Rheintal, Frankreich und Nordspanien zu begeben - bis hin zur Basilika in Santiago de Compostela. Auf dem Weg werden wir mit Troubadouren ausgelassen feiern, mit Hildegard von Bingen und Guillaume Machaut in klangvoller Andacht verweilen, in die gewaltige Kathedrale eintreten, um uns auf unseren ganz persönlichen Pilgerweg nach innen zu begeben und in Freude und Tanz das Konzert zu beschließen. Als Wegbegleiter werden uns Texte aus dem Jakobsbuch, von Hildegard von Bingen und dem Llibre Vermell de Montserrat erhellen und erheitern. 

Für dieses Programm nutzen wir verschiedene Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts, u.a. die Symphonia armonie celestium revelationum von Hildegard von Bingen, das Llibre Vermell de Montserrat, den Codex Calixtinus und die Cantigas de Santa Maria

Besetzung: Sopran, Blockflöte, Violine, Harfe

 

Hörbeispiel Como podens per sas culpas

Hörbeispiel Lamento di Tristano


Was uns bewegt
Volkslieder aus Europa und Mittelalmerika

Heimat ist dort, wo man sich nicht erklären muss. Jedes Dorf, jeder Landstrich, jede Nation, jede Kultur hat kollektive Erinnerungen. Viele dieser Erinnerungen sind in Liedform festgehalten worden.
Wie nah sind uns in diesen Erfahrungen? Wie nah sind uns die Menschen, die vor einer, mehreren oder vielen Generationen hier und anderswo gelebt haben? Wir laden zu einer musikalischen Spurensuche ein: Expertise für Alte Musik vermischt sich mit Passion für Volksmusik. Kurzweilig führen wir durch die bekannten und weniger bekannten deutschen Volkslieder und weben Melodien der britischen Insel, Spaniens und Mittelamerikas mit ein. Alle Lieder eint dabei eines: Sie erzählen von den Dingen, die uns als Menschen bewegen, egal wo, egal wann. 

"Denn es ist immer wahr, das Volkslied. Der Dichter der Natur singt das, was er selbst erlebt, oder was man ihm erzählt hat, was alle Welt kennt ebenso wie er. [...] Man muß die Völker verstehen, wenn man ihre Musik verstehen will. - Man muß die Völker lieben, wenn man ihre Musik lieben will. - Um sie zu verstehen, um sie zu lieben, muß man sie vor allem kennenlernen." Paul Arma, 1950

Besetzung: Sopran, Blockflöte, Harfe, Perkussion

 

Hörbeispiele:

Es saß ein klein Waldvögelein  

Waulking Song                             

Los guisados de la berenjena   

Rocky Road to Dublin
An der Saale hellem Strande
Dunkle Wolk


Le doux silence  - Süße Stille

Musik zur Zeit Ludwig XIV

Louis XIV playing Apollo in Le Ballet de la Nuit, by Henry Gissey, c. 1650. Bibliothèque Nationale, Paris.
Louis XIV playing Apollo in Le Ballet de la Nuit, by Henry Gissey, c. 1650. Bibliothèque Nationale, Paris.

In der französisch-barocken Hofgesellschaft waren Leidenschaften verpönt. Gefühle offenbarten ja die tatsächlichen Gedanken des Gegenübers und das war bei all den Intrigen und Machenschaften eher hinderlich.  Alles musste sich der Noblesse und Anmut unterordnen: Sprache, Mimik, Gestik, Kleidung – und eben auch die Künste. Wie klingt also eine Musik, die zwar nicht leidenschaftslos sein sollte, aber eben gemäßigt? 

Das Konzert widmet sich einer hierzulande wenig gespielten Musik und stellt Orpheus in den Mittelpunkt. So widmete Jean-Baptiste Lully, der geschäftstüchtige und bisweilen skrupellose Hofkomponist ein Entrée seines Ballet des Muses diesem machtvollen Sänger. Marc-Antoine Charpentier, der bei Lullys Musikmonopol das Nachsehen hatte und sich andere Wege suchen musste, Musik aufzuführen, hat sich Orpheus gleich zweimal zugewandt. Im Konzert erklingen Ausschnitte seiner Kantate.

 Das Ballet de la Nuit erlangte Berühmtheit, weil an dessen Ende Ludwig XIV. als Sonne auftrat. Die Nacht brachte mit ihrer Dunkelheit Gefahren und Geheimnisse. Die aufgehende Sonne stellte die Ordnung wieder her. Damit kommunizierte Ludwig XIV. unmissverständlich, an welcher Stelle innerhalb der Gesellschaft er sich sah. 

 

Unser Bild vom Leben mit und unter Ludwig XIV. ist geprägt von Historienfilmen mit opulenten Kostümen, feierlicher Musik und fantastischen Szenenbildern. Hinter all diesem Pomp machen die Intrigen und Machtspiele den Plot interessant. Liselotte von der Pfalz lebte tatsächlich in diesem Pomp und musste tagtäglich ihren Platz am Hof finden oder verteidigen. Unfreiwillig wurde sie in diese scheinheilige Märchenwelt durch Heirat geschickt. Ihrem Unmut verschaffte sie sich über Briefe Luft. Diese geben uns heute einen authentischen und oftmals demaskierenden Einblick in das Leben an der Seite des Sonnenkönigs. Über Jahrzehnte lebte sie an dessen Hof und immer weniger interessierte sich sie sich für die Machenschaften der Höflinge. Irgendwann entstand der Wunsch nach Ruhe und Einsamkeit: Le doux silence - Süße Stille.  

 

Besetzung: Sopran, Cembalo, Blockflöte

 

Hörbeispiel Beaux yeux


Heller Klang und dunkle Männer - Die Dunkelmännerbriefe

Titelblatt der Epistolae obscurorum virorum Teil 2, veröffentlicht 1517 ///// Nordisk familjebok (1907), vol.7, p.716
Titelblatt der Epistolae obscurorum virorum Teil 2, veröffentlicht 1517 ///// Nordisk familjebok (1907), vol.7, p.716

Der Papst, ein Jude, eine Hure und ein Furz - wie passen diese vier in ein Konzertprogramm? - Wir laden zu einem tiefsinnigen, aber nicht weniger amüsanten Konzertabend mit Musik des beginnenden 16. Jahrhunderts - die Zeit, aus der die „Dunkelmännerbriefe“ stammen. 

Dunkelmännerbriefe? Der Tübinger Philosoph und Hebräist Johannes Reuchlin hatte in seinem „Augenspiegel“ die Schriften des zum Katholizismus konvertierten Juden Johannes Pfefferkorn angegriffen. Besagter Pfefferkorn hatte in seinen Veröffentlichungen „Judenspiegel“, „Judenbeicht“ und „Judenfeind“ die Forderung aufgestellt, die hebräischen Schriften, insbesondere der Talmud zu verbrennen. Der daraus entstandene Streit gipfelte darin, dass der Hochinquisitor Jakob von Hoogstraten letztlich den Papst einschaltete, der sich für Reuchlin einsetzte. So veröffentlichte Reuchlin 1514 die Schrift „Clarorum virorum epistolae“. Ein Jahr später erschien dann – von unbekannter Hand – das Gegenstück: „Epistolae obscurorum virorum“ – die fiktiven und satirischen Dunkelmännerbriefe. 

Die Kirchgemeinde in Dornheim bei Erfurt hatte uns damit beauftragt, zum 500-jährigen Jubiläum des Drucks der Dunkelmännerbriefe ein Konzert zu gestalten. Aus Dornheim stammt der vermutliche Verfasser des ersten Teils der Briefe, Crotus Rubeanus. 

Innerhalb des Konzertprogramms wird von Reuchlin, Pfefferkorn und Ortwin Gratius, dem Empfänger der Briefe zu hören sein. So wie die Perspektiven von Juden- und Christentum gegenübergestellt werden, wird auch das widersprüchliche Verhältnis der Kleriker zur Liebe beleuchtet. Die Texte stammen alle aus eben jenen Dunkelmännerbriefen, die ein beeindruckendes Beispiel für die Tiefsinnigkeit, aber auch den Witz der Diskussion zwischen Humanisten und konservativen Klerikern sind. Die Briefausschnitte werden mit Musik der Renaissance umrahmt, die die Ideen der Briefe aufgreift und weiterspinnt. 

Wir wollen mit diesem Programm an Johannes Reuchlin erinnern, der in einer Zeit des Aufruhrs und kirchlichen Spaltung für eine Toleranz zwischen ALLEN Religionen aufrief. 

Besetzung: Sopran, Tenor, Bass, Blockflöten, Violine


Occhi piangete

Musik des Trecento mit Texten aus dem Dekameron von Giovanni Boccaccio

The Decameron, 1916 (oil on canvas) by John William Waterhouse (1849-1917)
The Decameron, 1916 (oil on canvas) by John William Waterhouse (1849-1917)

Die Geschichten, die wir unserem Publikum erzählen werden, sind dem Dekameron von Bocaccio entnommen und werden dank der Musik des 14. Jahrhunderts lebendig.
 Wir freuen uns darauf, mit unserem Publikum für einen Konzertabend nach Italien zu reisen Geschichten voller Idyll und voller Abgründe, voller Schmach aber natürlich auch voller Liebe sind Inhalt des Konzertes. 

Besetzung: Sopran, Blockflöten


Vom Wunderthier

Musik des Trecento mit Texten aus dem „Buch der Natur“

Konrad von Megenberg Das Buch der Natur — Hagenau - Werkstatt Diebold Lauber, um 1442-1448? //// https://doi.org/10.11588/diglit.2205#0207
Konrad von Megenberg Das Buch der Natur — Hagenau - Werkstatt Diebold Lauber, um 1442-1448? //// https://doi.org/10.11588/diglit.2205#0207

„Das Buch der Natur“ von Konrad von Megenberg aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist eine der ersten Enzyklopädien im deutschsprachigen Raum. Megenbergs Beschreibungen von den „natürlichen Dingen“, wie den Tieren, dem Herzen, den Gezeiten und den wundersamen Menschen gibt Einblick in das Weltbild der Zeit. Seine Sprache ist voller Poesie und harmoniert mit der Musik, die sich durch komplizierte rhythmische Bausteine auszeichnet und deren Stimmen sich miteinander verweben. 

Besetzung: Sopran, Blockflöten